Samstag, 19. September 2015

Risotto. Rührseliges Soulfood.






Ich würde nicht sagen, dass ich ein Risotto-Spezialist bin. Es kann sein, dass mir für mein Risotto jede italienische Großmutter ein hartes Ciabatta über die Rübe ziehen würde. Allerdings ist es so: Wenn ich eines im Schlaf kochen kann, dann Risotto. Ich muss mich nicht mal im Halbschlaf befinden – verkatert geht auch.* Normalerweise halte ich meine Nase immer über den Topf, wenn der Weißwein verdampf und zischt. Das habe ich an diesem Tag gelassen. Ansonsten birgt die Zubereitung entspannte 45 Minuten. Fast schon meditierend rühre ich die Körner eine halbe Stunde um, liebe es, wenn sich erst das Gemüse, dann die Körner mit dem Reis vermischen und zum Schluss Parmesan und Butter schmelzend über der Masse zerlaufen. Seelenessen pur. 

Genau das macht Risotto für mich so besonders. Es wärmt. Nur weil ein Essen warm verzehrt wird, erwärmt es nicht direkt. Deshalb gehört Risotto in meine Soulfood-Kategorie. Es erzeugt Wohlbefinden. Liegt es an der Butter? Oder liegt es daran, dass es gelöffelt wird? Beides möglich...


*Ich bin Student und 24. Ich darf sonntags verkatert kochen. 





Es gibt drei goldene Regeln für mich: 
  1. Spare niemals an guter Butter
  2. Verlasse den Herd nicht
  3. Habe keine Angst

Das Gerücht kursiert, dass Risotto ein hochkompliziertes Gericht sei. Eine gemeine Lüge! Es gilt wie immer in der Küche: Aufpassen – und dann passiert nichts. Das Gericht ist also nicht nur verkatert gut, um rührselig wieder ins Leben zu finden. Es ist perfekt, um einen schlechten Tag ausgeglichen enden zu lassen. Es ist für mich sogar so perfekt, um es bei einer Verabredung zu kochen. Wenn die Angst einmal überwunden und das erste Erfolgserlebnis verzeichnet wurde, ist es ein Garant für die Ewigkeit. 

Mittlerweile mache ich es nach Gefühl, schneide das Gemüse dafür auch gröber als üblich. Hier kommt das Basic-Rezept meines Herzens: 

1 große Schalotte oder 2 kleine 
1 Knoblauchzehe (schmeckt auch ohne oder nur eine halbe)  
1 Möhre
1 Stange Sellerie*
Olivenöl
250 Gramm Risotto-Reis
1 Glas Weißwein
1 ½ Liter Gemüsebrühe
Guter Butter
Parmesan (frisch gerieben) 

Gemüsebrühe in einem Topf erhitzen. Schalotte, Knoblauch, Möhre und Sellerie in sehr feine Würfel hacken (wer nicht so faul ist, sollte es feiner als auf dem Foto machen). In einem Topf einen guten Schuss Olivenöl auf mittlerer Stufe erhitzen. Schalotte und Knoblauch kurz anbraten. Möhre und Sellerie dazu. Alles ca. 4 Minuten weiter braten lassen, dann die Hitze ein bisschen erhöhen, aber nicht auf höchste Stufe stellen. Den Reis in den Topf geben und eine Minute anbraten. Dabei ganz wichtig: Immer rühren! Sonst brennt er an. Wer aber gleichmäßig rührt, kann nichts anbrennen lassen. Den Weißwein dazu, zischen lassen, qualmen lassen und nach 1 bis 2 Minuten zwei Kellen Gemüsebrühe zum Reis geben. Hitze runterstellen. Rühren nicht vergessen und nach ein paar Minuten eine weitere Kelle nachschütten. Rühren, warten bis der Reis die Flüssigkeit aufgesogen hat, nachschütten, rühren,... In der Zwischenzeit Parmesan reiben, rühren aber nicht vergessen. Bis der Reis weich ist, dauert es ca. 25 bis 30 Minuten. Es kann sehr gut sein, dass nicht die gesamte Brühe aufgebraucht wird. Bevor der Reis zu wässrig wird, aufhören mit dem Nachkippen. 
Probieren: Beißt man auf Körner? Oder ist er schon so weich, dass er schmeckt? Ist Letzteres der Fall,  einen guten Klecks Butter und eine Hand voll frisch geriebenen Parmesan in den Topf geben. Jetzt verbindet sich alles zu einer sämigen Masse. Fehlt noch Salz? Eine gute Prise zufügen.


Bevor das Risotto aus Schüsseln gelöffelt werden darf, mit einem Klecks Butter und Parmesan garnieren.

*Die restlichen Sellerie-Stängel können sehr gut eingefroren werden. In Würfel schneiden und bei Bedarf in den Topf mit ein paar. So muss nicht die ganze Staude weggeschmissen werden! Denn ehrlich, niemand knabbert den Rest freiwillig. 






1 Kommentar:

  1. Schön geschrieben Theres und Risotto ist das Beste zu jeder Gelegenheit ��

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