Sonntag, 7. Dezember 2014

Van Dyck Kaffeerösterei - Perfektion aus Ehrenfeld


Beim Betreten der Körnerstraße 43 lassen nur noch Konturen den alten Friseursalon erahnen. Die Innenarchitektur könnte auch das Duplikat eines futuristischen Museum sein. Der schmale Gang aber führt direkt zum räumlichen Herzstück: Der Kaffeeröstmaschine. Sie dreht die Bohnen täglich. Und um sie drehen sich die Sinne bei Van Dyck. Die Ohren lauschen den raschelnden Bohnen. Die Nase riecht etwas erdiges, fast schon schokoladiges. Wie später erklärt wird: Es riecht nach Robusta. Eine der beiden Kaffeebohnen, die in der kleinen Rösterei verarbeitet werden. 

Minimalistisch. Auf die Sinne reduziert. Und auf den Geschmack. Eben dort liegt das Erfolgsrezept von Van Dyck. Ablenkender Kitsch hat seit der Eröffnung vor fünf Jahren schließlich niemand nötig. 


 

Die Röstmaschine stammt aus den USA. Sie verleiht jeder Bohne Geschmack, bevor diese in einer der mintgrünen Tüten das Geschäft verlässt. Der Röstprozess selber ist eine chemische Reaktion. Bei mir sah die Kaffeezubereitung immer so aus:



Tatsächlich ist sie aufwendiger:
Die Bohnen werden von oben in die Maschine gekippt, landen in einer Trommel und bekommen einen 215°C-Schock. Die Hitze wird auf 70°C gesenkt. Binnen 19 Minuten geht die Temperaturkurve durch Gas- und Luftzufuhr wieder nach oben - auf 225°C. 
225°C ziehen den Bohnen Feuchtigkeit raus. Sie verlieren die Hälfe ihres Gewichts, gewinnen dafür an Volumen und Bräunungsgrad. Und ihnen ist ein kurzer Gala-Auftritt sicher. Es knistert. Dampf. Knacken. Ein Geruch von frischem Kaffee vor dem Kaffee. Die Bohnen verlassen wasserfallartig die Trommel und bekommen die gesamte Aufmerksamkeit in der Rösterei. Der Temperaturabfall bearbeitet die Bohne erneut. 


In der Maschine können unterschiedliche Arten von Kaffeebohnen geröstet werden. Bei Van Dyck gibt es zwei Sorten: Robusta und Arabica. Die Arabica-Bohne als klassische Bohne zeichnet sich durch ihre feine Art aus, überrascht allerdings mit vielen Fassetten. Für Filterkaffee werden oft 100 Prozent von ihr genommen. Robusta schmeckt dunkler, erdiger und Espresso-tauglicher. Die beiden Sorten haben geschmackliche Unterschiede, ähneln sich dagegen in ihrer unanfälligen Art. Das macht sie als zuverlässige Bohnen zu den Topsellern.


 
Von der Maschine in die Tüten, von den Tüten in private Haushalte und Gastronomien – so ergeht es den meisten Bohnen. Nur wenige finden bei Van Dyck selber den Weg in die Tassen. Das Unternehmen sieht das „Café“ als Kurier- und Probierstube. Es verkauft dort, viel aber auch über den Online-Shop und liefert sogar bis Berlin, Augsburg und München. So werden zu den Stammgetränken die Kurzen – Espresso und Cappuccino zum Bohnenkauf.


Die Idee hatten Monika Linden und Martin Keß. Die Gastronomin suchte für ihr Café Sehnsucht einen fair gehandelten Kaffee. Da keine Sorte ihren Ansprüchen gerecht wurde, beschloss sie mit ihrem Bekannten, die Röstung selber in die Hand zu nehmen. Aus der Idee wurde mittlerweile eine Marke. Nicht nur der Architektur-Preis „AIT Award“ belohnt Van Dyck. Auch mehrere Auszeichnungen für unterschiedliche Röstungen sprechen für die Qualität des Ehrenfelder Unternehmens.

So modern das Unternehmen aufgestellt ist – auf einen Trend kann Van Dyck sehr gut verzichten: Third Wave. Aber so ist das eben in der Körnerstraße. Hohe Qualität, ohne Schnickschnack oder Ablenkungsmanöver. Das hat dort wirklich niemand nötig.



Anmerkung: 
In der Uni hatte ich die Aufgabe, eine Multimedia-Reportage zu erstellen. Der Kniff: Es durfte nur das Smartphone benutzt werden. So total Mobiler Journalismus und so. 
Das hat auch gut funktioniert und den Content konnte ich problemlos in die Storytelling-App "Storehouse" hochladen. Wer mit Safari oder dem iPhone unterwegs ist, sollte sich die Reportage dort anschauen (unter #coffee ist sie auffindbar). Das lohnt sich. 
Wer mit anderen Geräten im Netz ist - lasst es und bleibt hier. Der Browser stürzt ab, da es die App nur fürs iOS gibt.

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